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Die Trennung von IT-Supply und IT-Demand

27 June 2009 3,685 views No Comment

Das Konzept der organisatorischen Trennung einerseits von Bereichen, welche IT-Leistungen erbringen, dem IT-Supply und andererseits den Einheiten, die IT-Leistungen nachfragen, dem IT-Demand ist die Grundlage für effizienten und effektiven Einsatz von IT in Konzernen. Dieses Konzept der klaren organisatorischen Trennung ist jedoch nicht allgemein akzeptiert. In einzelnen Konzernen lassen sich gar entgegengesetzte Tendenzen, welche wieder zu einer Aufweichung dieser Trennung führen, erkennen.

Grundsätzlich sind zwei verschiedene Extremausprägungen beziehungsweise Modelle möglich, wie folgend beschrieben. In der Praxis treten hauptsächlich Mischformen auf, welche Elemente beider Modelle enthalten:

Modell 1: Keine organisatorische Trennung

Einerseits können die Delivery-Einheiten, welche für Entwicklung, Betrieb und Wartung der Systeme operativ zuständig sind, auch die IT-Steuerung im Konzern übernehmen. Das Problem dieser Ausgestaltung liegt auf der Hand. Es gibt einen Interessenkonflikt, da die IT in erster Linie nach ihren eigenen Bedürfnissen steuert und nicht im Sinne der Geschäftsbereiche [15]. Das ist und war das typische Modell einer klassischen IT-Abteilung, bei der die IT-Experten, vielfach basiert auf rein technischem Wissen, entscheiden, was gut für das Geschäft ist. Auf Grund der oben beschriebenen Probleme ist bei vielen Konzernen der Trend hin zu Modell 2 erkennbar.

 

Modell 2: Organisatorische Trennung

Die klare Trennung in die Funktionen IT-Supply und IT-Demand ist die zweite Möglichkeit. Die Steuerung erfolgt durch die Fachbereiche. Dadurch wird die Geschäftsorientierung der IT sichergestellt. Die Supply-Seite umfasst sowohl interne IT-Service-Einheiten als auch externe IT-Dienstleister. Auf der Business-Seite wird eine Demand-Organisation aufgebaut, an deren Spitze der Chief Information Officer, kurz CIO, steht. Er zeichnet sich für Steuerung und Kontrolle des gesamten IT-Bereichs verantwortlich und somit auch für die Supply-Organisation.

Vorteile einer organisatorischen Trennung

Die Aufteilung von IT-Supply und IT-Demand und die damit verbundene Etablierung eines Demand-Managements auf der Fachseite bringt verschiedene Vorteile mit sich, wie im Artikel „Splitting demand from supply in IT“ von Mark und Rau dargestellt wurde.

  • Durch die Einführung eines internen Marktes können auf der Seite der Geschäftsbereiche Einkaufsexperten agieren, die einerseits mit den Bedürfnissen des Geschäft vertraut sind und auf der anderen Seite auch die Fähigkeiten der Supply-Organisation kennen.
  • Es kann von einer besseren Koordination der Anforderungen der verschiedenen Geschäftseinheiten ausgegangen werden, da es zu einer Bündelung der Nachfrage nach IT-Leistungen kommt. Damit einher gehen größere Einkaufsvolumen, Vermeidung von Redundanz, Förderung von Standardisierung und Wiederverwendbarkeit.
  • Da auf Kundenseite Einkäufer mit technischem Verständnis sitzen, verbessern sich Geschwindigkeit und Qualität der Lieferung.

Neben diesen Vorteilen gibt es eine ganze Reihe von Markttrends, welche die Trennung in IT-Supply und IT-Demand beschleunigen.

  • Die steigende Verfügbarkeit von Outsourcing- und Offshoring-Möglichkeiten erhöhen die Attraktivität dieses Modells. Es ist nämlich relativ irrelevant, ob auf der Supply-Seite ein interner oder externer Provider agiert.
  • Durch die verstärkte Produktorientierung in der IT werden IT-Services standardisiert. Diese Produktorientierung stellt nicht mehr Projekte und Applikationen in den Mittelpunkt der IT-Unterstützung, sondern strukturierte, vordefinierte und klar abgrenzbare IT-Produkte. Diese kann der Anwender direkt in seinem Geschäftsprozess einsetzen, wie beispielsweise eine Email, eine Finanzbuchhaltung oder eine Gehaltsabrechnung. Entwickler können sich auf die Geschäftsprobleme fokussieren und den Lieferanten die Spezifikation für Hardware und Software überlassen.
  • Die IT ist immer besser in der Lage, selbst die Geschäftsprozesse ihrer Kunden mitzugestalten. Änderungen im Arbeitsablauf der Kunden gehen oft Hand in Hand mit IT-Veränderungen.

Die Trennung in Supply und Demand ist ein wichtiges Konzept für das Verständnis des Zusammenspiels zwischen den IT-Dienstleistern als Anbietern von IT-Leistungen und den Fachbereichen als Abnehmern auf der anderen Seite.

 

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus unserem Buch „Die Zukunft der IT in Unternehmen“, das ab Oktober 2009 im Buchhandel erhältlich ist. Weiterführende Informationen sind hier zu finden: Buchinformationen

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