Geschäftsmodell "Konzerngebundener IT-Dienstleister"
Das Konzept konzerngebundener IT-Dienstleister wird in Praxis und Literatur als relativ elastisch und dynamisch angesehen. Jedoch können folgende Merkmale für konzerngebundene IT-Dienstleister als in Praxis und Literatur allgemein akzeptiert gelten, da sie in den meisten Definitionen explizit oder implizit genannt werden:
Konsolidierung von Unterstützungsprozessen
In dezentral aufgestellten Konzernen hat jeder Geschäftsbereich seine eigenen Unterstützungsservices für die Kernprozesse, wie beispielsweise Lohnabrechnungen oder IT-Services. Diese sind genau auf die Bedürfnisse der jeweiligen Geschäftseinheiten zugeschnitten. Diese dezentral durchgeführten Unterstützungsprozesse werden in einer separaten Organisationseinheit, dem konzerngebundenen IT-Dienstleister, zusammengeführt und konsolidiert. Ziel ist die Vermeidung von Doppelarbeit und das Erreichen von Synergien. So können beispielsweise durch Bündelung von Entwicklung, Wartung und Betrieb von IT-Services die entstehenden Kosten zwischen den Geschäftsbereichen aufgeteilt werden. Dabei ist zu betonen, dass es nicht nur eine einfache Konsolidierung gibt, sondern dass Optimierung und Effizienzsteigerung der Prozesse im Vordergrund stehen. Prozesse, die vormals Unterstützungsleistungen für das Geschäft darstellten, sind jetzt die Kernprozesse der konzerngebundenen IT-Dienstleister und im Fokus dieser Organisation.
Fokussierung auf Konzernkunden
Der starke Fokus konzerngebundener IT-Dienstleister auf den Konzernkunden wird explizit als Eigenschaft dieses Geschäftsmodells erwähnt. Damit soll die Abgrenzung zum herkömmlichen Ansatz der zentralen IT-Abteilung deutlich gemacht werden, die wie ein Monopolist gegenüber den internen Abnehmern der IT-Services auftreten. Zudem liegt der Fokus bei IT-Abteilungen oft auf der Technologie. Konzerngebundene IT-Dienstleister hingegen fokussieren auf optimale Unterstützung der Konzernkunden mit IT-Services. Der Schwerpunkt liegt auf dem Service-Output, also der vertraglich vereinbarten Qualität zum vereinbarten Preis.
Halbautonome, eigenständige Organisationseinheit
Konzerngebundene IT-Dienstleister sind eine von anderen Bereichen klar getrennte Organisationseinheit mit eigener Verantwortung und eigenem Management. Nur dadurch ist eine Trennung der Governance-Funktion von der eigentlichen Service-Erstellung möglich. Des Weiteren wird im Konzern gezeigt, dass etwas Neues entstanden und der konzerngebundene IT-Dienstleister keine neue Zentralabteilung ist, sondern dass sich mehr dahinter verbirgt. Oft wird der Begriff „halbautonom“ verwendet, das soll signalisieren, dass konzerngebundene IT-Dienstleister zwar wie ein separates Unternehmen geführt werden, aber stark vom Mutterunternehmen abhängig sind. So gehören konzerngebundene IT-Dienstleister hundertprozentig dem Konzern, welcher gleichzeitig der Hauptkunde ist.
Übernahme von Unterstützungsleistungen für Kernprozesse
Bei den Unterstützungsleistungen für die Kernprozesse wird zwischen transaktionsorientierten und komplexen, wissensbasierten Prozessen unterschieden. Bei transaktionsorientierten Prozessen handelt es sich um Prozesse, die einen hohen Gemeinsamkeits- und Standardisierungsgrad und wenig Schnittstellen mit anderen Prozessen und Technologien haben, geringes finanzielles und geschäftliches Risiko mit sich bringen und nur in geringem Umfang von externen Kunden abhängig sind sowie ein hohes Automatisierungspotential aufweisen. Typische Prozesse sind Lohnabrechnung, Rechnungswesen und Buchhaltung oder Rechenzentrumsbetrieb. Charakteristische Prozesse im Bereich der wissensbasierten Prozesse sind unter anderem Finanzanalysen, das Training von Mitarbeitern, Applikationsentwicklung oder die Immobilienverwaltung.
Belieferung mehrerer Geschäftsbereiche / Kunden
Konzerngebundene IT-Dienstleister beliefern mehrere Geschäftsbereiche des eigenen Konzerns, wobei es keine Beschränkung auf einzelne Länder oder Regionen gibt. Ferner ist die Lieferung der IT-Services an Drittmarktkunden möglich. Der Fokus liegt auf standardisierten IT-Services, die alle Geschäftsbereiche ähnlich oder gleich beziehen.
Optimierung des Ressourceneinsatzes
Die Etablierung konzerngebundener IT-Dienstleister trägt zu einer verbesserten Wertschöpfungsorientierung im Gesamtkonzern bei, da die strategischen Geschäftseinheiten sich verstärkt auf ihre Kernprozesse konzentrieren können. Grund ist die Übernahme der Unterstützungsprozesse durch die konzerngebundenen IT-Dienstleister. Die einzelnen Geschäftseinheiten sind in der Lage, ihre Managementressourcen auf die Kernkompetenzen zu forcieren und nicht auf die Abwicklung von Unterstützungsfunktionen.
Orientierung am externen Wettbewerb
Um eine markt- und wettbewerbsorientierte Sichtweise einnehmen zu können, werden innerhalb der konzerngebundenen IT-Dienstleister umfassende Marktkenntnisse benötigt. Dazu gehören beispielsweise Informationen über Wettbewerber auf dem Drittmarkt, Gegenüberstellungen mit eigenen Stärken und Schwächen oder Preis-Benchmarks. Bei letzterem werden die internen Preise der konzerngebundenen IT-Dienstleister mit marktüblichen Preisen von Anbietern gleicher oder ähnlicher Services verglichen. So können den Konzernkunden Wettbewerbsfähigkeit nachgewiesen und Abweichungen erklärt werden.
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