Industrialisierung der IT – was heißt das?
Die „Industrialisierung der IT“ ist in aller Munde. In den einschlägigen Zeitschriften, Whitepapers oder Internetseiten ließt man davon. Jedoch sind entsprechende Definitionen und Beschreibungen eher rar. In diesem Beitrag wird deshalb unser Verständnis der Industrialisierung der IT dargestellt. Grundsätzlich versteht man unter der Industrialisierung der IT die Übertragung erfolgreicher Managementkonzepte und –methoden aus der industriellen Fertigung auf die IT-Leistungserstellung. Anders formuliert, bedeutet Industrialisierung, immer besser zu werden. Dabei lassen sich vier Grundprinzipien identifizieren, die gewöhnlich mit dem Begriff Industrialisierung verbunden werden. Weitere Informationen findet der Leser aus hier: http://www.computerwoche.de/it_strategien/it_management/592035/
Standardisierung und Automatisierung
Standardisierung hat für Unternehmen zwei unterschiedliche Bedeutungen.
- Erstens ist die Standardisierung des Leistungsangebotes gemeint, das heißt, die Standardisierung von Produkten und Services. Das Paradebeispiel aus der Automobilindustrie für Produktstandardisierung ist das T-Modell von Henry Ford, welches ab 1908 zu erwerben war. Dieses Automobil war nur in der Farbe Schwarz erhältlich. Aber auch viele IT-Dienstleister haben standardisierte IT-Services in ihrem Portfolio, besonders in den sogenannten Commodity-Bereichen wie der IT-Infrastruktur.
- Zweitens bedeutet das die Standardisierung von Prozessen in der Leistungserstellung. Ford konnte durch die Nutzung von Standardprozessen in seinen Fabriken die Arbeitsteilung am Fließband einführen. Das führte zu einer beschleunigten Fertigung, besserer Qualität und einer Preisreduktion der Automobile um mehr als die Hälfte. Auch im IT-Bereich können die Produktionskosten durch den Einsatz von Standards wie beispielsweise der IT Infrastructure Library, ITIL, massiv gesenkt werden. Die Einführung standardisierter Prozesse ist die Grundlage für die Automatisierung.
Modularisierung
Modularisierung bedeutet, ein Gesamtsystem aus standardisierten Einzelteilen zusammenzusetzen. Diese Einzelteile werden als Module oder Komponenten bezeichnet. Mit Hilfe einer modul- und komponentenorientierten Produktion ist es möglich, Produkte trotz standardisierter Prozessabläufe und Standardkomponenten zu individualisieren. So kommen in der Automobilindustrie bei verschiedensten Automobilen die gleichen Komponenten zum Einsatz. Dies beobachten wir beispielsweise im Volkswagenkonzern. VW Golf, Audi A3, Skoda Octavia, Seat Leon, Seat Toledo, VW Vento, VW Beetle und VW Scirocco basieren auf derselben Plattform. Man kann aus Standardkomponenten individuelle Fahrzeuge bauen, wie diese Beispiele zeigen.
Ein ähnlicher Ansatz kann in der IT verfolgt werden, indem IT-Services, die an die Kunden verkauft werden, aus vielen Standardkomponenten bestehen, die immer wieder neu zusammengesetzt werden.
Kontinuierliche Verbesserung
In der Fertigungsindustrie sind die Qualität von Produkten und Prozessen seit Jahrzehnten ein wichtiges Thema, das beim Top-Management Beachtung findet. Es haben sich eine Reihe von Qualitätskonzepten wie Six Sigma, Total Quality Management oder Kaizen durchgesetzt. Ihr erklärtes Ziel ist, die Prozess- und Produktqualität permanent zu verbessern sowie diese mess- und steuerbar zu machen.
Im IT-Bereich hat das Thema Qualität mittlerweile einen höheren Stellenwert erlangt, auch wenn man weit von der Professionalität der Fertigungsindustrie entfernt ist.
Konzentration auf Kernkompetenzen
Als Antwort auf den gestiegenen Wettbewerbsdruck haben Unternehmen aller Branchen ihre Wertschöpfungstiefe reduziert und sich auf ihre Kernkompetenzen konzentriert. Es werden einzelne Tätigkeiten oder Prozesse ausgelagert, die selbst nicht effizient erbracht werden können.
In der IT ist dieser Trend ebenfalls zu erkennen, was an den hohen Wachstumsraten des IT-Outsourcingmarktes deutlich wird.
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus unserem Buch „Die Zukunft der IT in Unternehmen“, das ab Oktober 2009 im Buchhandel erhältlich ist. Weiterführende Informationen sind hier zu finden: Buchinformationen

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