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Können IT-Töchter an Drittmarktaktivitäten scheitern und ihre Existenzberechtigung verlieren?

31 August 2009 17,758 views No Comment

Ein Hauptziel der Gründung von IT-Töchtern war die Generierung zusätzlicher Umsätze. Der konzerninterne IT-Dienstleister sollte also neben den Konzernkunden auch externe Kunden mit IT-Dienstleistungen versorgen. Jedoch sind nahezu alle IT-Töchter mit ihren Drittmarktaktivitäten gescheitert, die Gründe dafür sind vielfältig.

Gründe für das Scheitern auf dem Drittmarkt

Das IT-Dienstleistermanagement ist davon ausgegangen, mit der bestehenden Mannschaft erfolgreich neue Kunden außerhalb des Konzernumfelds akquirieren zu können. Es wurde kaum in den Aufbau von Vertrieb und Marketing investiert. Mangels Erfahrungen blieben die Akquiseerfolge aus. Ein weiterer Grund waren die nicht wettbewerbsfähigen Kosten. Viele der konzerngebundenen IT-Dienstleister waren aus IT-Abteilungen hervorgegangen, Markt- und Wettbewerbsdruck gab es nicht, die Kosten waren dementsprechend hoch. Um neue Kunden gewinnen zu können, ist man mit Preisen, die unter den Kosten lagen, in den Drittmarkt eingetreten. Das bedeutete, dass Konzernkunden das Drittmarktgeschäft quersubventioniert haben. In anderen Fällen wurden gute Mitarbeiter von Konzernprojekten abgezogen, um Drittmarktkundenprojekte durchzuführen. Diese Verhaltensweisen waren nicht im Sinne des Gesamtkonzerns, da eine optimale Unterstützung der Konzernkunden so nicht möglich war. Zudem schrieb die Konzernen-Governance häufig einen Kontrahierungszwang für Konzernkunden vor. Diese konnten sich nicht von externen IT-Dienstleistern beliefern lassen. Das führte zu einem Ungleichgewicht innerhalb des Konzerns zwischen IT-Supply und IT-Demand.

Auch haben die konzerngebundenen IT-Dienstleister ihre Alleinstellungsmerkmale gegenüber der Konkurrenz überschätzt, denn die Abgrenzung gegenüber den Wettbewerbern hat sich als schwierig herausgestellt. Ein weiteres Problem ist die Finanzierung. Es ist notwendig, in Drittmarktaktivitäten zu investieren, sei es in neue Technik, in zusätzliches Personal oder in den Aufbau von Vertrieb und Marketing. Die benötigten Mittel kann der konzerngebundene IT-Dienstleister aber selten allein aufbringen, er braucht die Unterstützung des Konzerns. Dieser wird bei Investitionsentscheidungen allerdings abwägen, ob die knappen finanziellen Unternehmensressourcen für das Kerngeschäft oder für den konzerngebundenen IT-Dienstleister einzusetzen sind. Dass die Investitionsentscheidung zugunsten des Kerngeschäfts ausgeht, versteht sich von selbst. Auf Grund der mangelnden Finanzierung verfolgten die IT-Dienstleister deswegen das Drittmarktgeschäft nur halbherzig, was zum Scheitern führte. Der Versuch, einen Mittelweg zwischen strategischem Geschäftsfeld und einer auf das Wohlergehen der eigenen Konzernmutter bezogenen IT-Organisation zu gehen, war nicht erfolgreich.

IT als strategisches Geschäftsfeld

Hat der Konzern Informationstechnologie als strategisches Geschäftsfeld angesehen und entsprechend finanziert, konnten einzelne konzerngebundene IT-Dienstleister Erfolge auf dem Drittmarkt feiern. Das bedeutete aber nicht, dass das Geschäftsmodell konzerngebundener IT-Dienstleister stabiler und nachhaltiger geworden ist. Wird IT als strategisches Geschäftsfeld angesehen, kann bei Portfolio-Entscheidungen auf Gesamtkonzernebene der Verkauf der konzerngebundenen IT-Dienstleister an externe IT-Dienstleister beschlossen werden. IT ist dann ein Geschäftsfeld wie jedes andere. Ein Beispiel dafür ist die Triaton. Erfolgreiche externe Akquise und ein hoher Anteil an Drittmarktkunden am Umsatz sind nicht gleichbedeutend mit Nachhaltigkeit und Stabilität des Geschäftsmodells konzerngebundener IT-Dienstleister. In unten stehender Tabelle sind weitere konzerngebundene IT-Dienstleister aufgelistet, die im Laufe der letzten Jahre verkauft wurden.

Name des IT-Dienstleisters
 
 
 

 

Mutterunternehmen
 
 
 

 

Käufer
 
 
 

 

Hochtief Software
 
 
 

 

Hochtief
 
 
 

 

Capgemini
 
 
 

 

Zeda
 
 
 

 

Vorwerk
 
 
 

 

T-Systems
 
 
 

 

Debis
 
 
 

 

Daimler-Chrysler
 
 
 

 

T-Systems
 
 
 

 

Sinius
 
 
 

 

Deutsche Bank
 
 
 

 

SBS
 
 
 

 

Ris
 
 
 

 

Rheinmetall
 
 
 

 

IBM
 
 
 

 

West LB Systems
 
 
 

 

West LB
 
 
 

 

T-Systems
 
 
 

 

Itellium
 
 
 

 

Karstadt-Quelle
 
 
 

 

Atos Origin
 
 
 

 

Schmidtbank IT
 
 
 

 

Schmidtbank
 
 
 

 

Accenture
 
 
 

 

Nordak
 
 
 

 

Drägerwerke
 
 
 

 

Capgemini Ernst&Young
 
 
 

 

Triaton
 
 
 

 

Thyssen-Krupp
 
 
 

 

Hewlett-Packard
 
 
 

 

RAG Informatik
 
 
 

 

Ruhrkohle
 
 
 

 

SBS
 
 
 

 

Hiserv
 
 
 

 

Aventis
 
 
 

 

Triaton
 
 
 

 

TLC, DB Informatik
 
 
 

 

Deutsche Bahn
 
 
 

 

DB Systems
 
 
 

 

 Verkaufte konzerngebundene IT-Dienstleister (Computerwoche, 2005)

Eine aktuelle Untersuchung von „Deutsche Bank Research“ kommt zum gleichen Ergebnis. In der Studie wurde die IT-Outsourcing-Industrie in Deutschland im Zeitraum von 1990 bis 2006 untersucht. Es hat sich gezeigt, dass konzerngebundene IT-Dienstleister, die auf dem Drittmarkt agieren, wieder schnell vom Drittmarkt verschwunden sind. In der überwiegenden Zahl der Fälle geschieht das durch Übernahme des konzerngebundenen IT-Dienstleisters durch einen externen IT-Dienstleister (König/Meyer et al., 2009).

Einen Mittelweg gibt es nicht

Aus den obigen Betrachtungen und Erfahrungen lässt sich schließen, dass es keinen nachhaltig erfolgreichen Mittelweg für konzerngebundene IT-Dienstleister gibt. Entweder, man konzentriert sich auf die eigenen Konzernkunden oder man stellt sich als strategisches Geschäftsfeld auf, jedoch mit dem Risiko, verkauft zu werden. Ein Mittelweg ist zum Scheitern verurteilt. 

Eine Mischung dieser beiden Ansätze kann nicht dauerhaft funktionieren, da die Geschäftsmodellausprägungen sich zu stark unterscheiden. In unten stehender Tabelle ist einerseits IT als reine Unterstützungsfunktion und andererseits als Kerngeschäft dargestellt. Die Differenzen in den Merkmalsausprägungen sind dabei beträchtlich, oft gegensätzlich. Diese Übersicht veranschaulicht gut, dass ein Geschäftsmodell, welches aus einer Kombination dieser beiden Formen besteht, inkonsistent ist. Das Geschäftsmodell ist in diesem Fall nicht ausbalanciert.

Kriterium
 
 
 

 

IT als Unterstützung
 
 
 

 

IT als Kerngeschäft
 
 
 

 

Rechtsform
 
 
 

 

Eigenständiges Unternehmen oder interne Abteilung
 
 
 

 

Eigenständiges Unternehmen
 
 
 

 

Kontrahierungsform
 
 
 

 

Kontrahierungszwang oder -gebot
 
 
 

 

Kein Kontrahierungszwang
 
 
 

 

Investitionsgelder vom Konzern
 
 
 

 

Kaum Investitionsmittel vom Konzern
 
 
 

 

Gleichberechtigt mit anderen Geschäftsfeldern
 
 
 

 

Belieferung von Konzernkunden
 
 
 

 

Verpflichtend
 
 
 

 

Optional
 
 
 

 

Steuerung
 
 
 

 

Cost-, Service-, Investment-Center
 
 
 

 

Profit-Center
 
 
 

 

Koordination
 
 
 

 

Hierarchie mit marktlichen Elementen
 
 
 

 

Externer Markt
 
 
 

 

Drittmarktaktivitäten
 
 
 

 

Nachweis der Wettbewerbsfähigkeit
 
 
 

 

Gewinn- und Umsatzgenerierung
 
 
 

 

 IT als Unterstützungsfunktion und als Kerngeschäft

Die Widersprüchlichkeit eines Mittelwegs kann auch anhand folgenden Beispiels illustriert werden. Ein konzerngebundener IT-Dienstleister, welcher nach dem Profit-Center-Ansatz gesteuert wird und seinen eigenen Gewinn maximieren möchte, darf nicht verpflichtet werden, die eigene Konzernmutter zu beliefern. Stattdessen muss der IT-Dienstleister nach ökonomischen Kriterien selbst entscheiden dürfen, ob einer Unterstützung bestimmter Standorte sinnvoll ist oder nicht. Bei einer Lieferpflicht würde dem konzerngebundenen IT-Dienstleister ein Wettbewerbsnachteil gegenüber seinen externen Wettbewerbern entstehen.

Weiterführende Literatur

Computerwoche (2005). Die Reihen der IT-Töchter lichten sich

König, W., T. Meyer, et al., The Captives’ End, (2009).

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus unserem Buch „Die Zukunft der IT in Unternehmen“, das ab Oktober 2009 im Buchhandel erhältlich ist. Weiterführende Informationen sind hier zu finden: Buchinformationen

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