Ist Innovationsmanagement für konzerninterne IT-Dienstleister irrelevant?
Innovationsmanagement wird besonders mit Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht. Trotz hoher Relevanz und aller Lippenbekenntnisse sind Strukturen und Prozesse bei der Mehrheit der von uns analysierten konzerngebundenen IT-Dienstleister schwach ausgeprägt. Das Management fokussiert sich nicht auf dieses Handlungsfeld.
Was bedeutet Innovationsmanagement bei konzerngebundenen IT-Dienstleistern?
Viele Menschen assoziieren mit dem Begriff Innovation neu entwickelte Hardware, wie beispielsweise iPhones oder Blackberries. Von diesem Innovationsverständnis muss man sich lösen, um Innovationsmanagement bei konzerngebundenen IT-Dienstleistern zu verstehen. Der Innovations-Schwerpunkt liegt nicht auf Neuentwicklung von Hardware und Software-Tools. Stattdessen geht es darum, neue Technologien und IT-Services dem Kunden zur Verfügung zu stellen und diese Services in die aktuelle Systemlandschaft des Konzerns zu integrieren. Es ist die Kernaufgabe konzerngebundener IT-Dienstleister, herauszufinden, welche Markttrends zukünftige Kundenbedürfnisse beeinflussen können. Um in einer Metapher zu sprechen, könnte man sagen, dass Innovationen die Brücke vom heutigen zum zukünftigen Kundenwunsch sind. Es ist die Aufgabe des Innovationsmanagements, diese Brücke zu bauen und herauszufinden, was der Kunde morgen benötigt und welchen IT-Services man unter Berücksichtigung von technischer Entwicklung und Wirtschaftlichkeit dem Kunden anbieten könnte. Es geht nicht nur um die Wünsche, die der Kunde explizit artikuliert. Vielmehr sind es die Anforderungen, die der Kunde nicht äußert, aber dennoch hat. Konzerngebundene IT-Dienstleister können Kunden nicht haftbar machen, dass sie heute nicht artikulieren, was sie morgen benötigen. Das Identifizieren zukünftiger Kundenbedürfnisse ist eine Kernkompetenz konzerngebundener IT-Dienstleister. Die eigentliche Innovationstätigkeit umfasst folgende Bereiche:
- Identifikation zukünftiger Kundenbedürfnisse: Was kann der Kunde morgen gebrauchen? Was hat Kunde A, was Kunde B gebrauchen könnte?
- Scouting: Aufspüren von Markttrends, neuen Technologien und IT-Services oder von Konkurrenzangeboten. Der IT-Dienstleister hat bei der Technologiebewertung die Konzernanforderungen zu beachten.
- Entwicklung und Integration: Neue IT-Services müssen entwickelt sowie Technologien in die bestehende Systemlandschaft des Kunden integriert werden.
Ist Innovationsmanagement im Fokus des IT-Dienstleister-Managements?
Das Handlungsfeld “Innovationsmanagement” ist entscheidend für den nachhaltigen Erfolg des Geschäftsmodells „Konzerngebundener IT-Dienstleister“. Um den Erwartungen gerecht zu werden, sollten sich die IT-Dienstleister intensiv mit Innovationsmanagement beschäftigen und organisatorische Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehören die Einrichtung von Innovationsrollen, Top-Management-Engagement, ein eigenes Innovationsbudget genauso wie die Schaffung einer innovationsfreundlichen Unternehmenskultur.
Trotz dieser hohen Relevanz von Innovationen scheinen diese bei der Mehrzahl der untersuchten konzerngebundenen IT-Dienstleiter nicht im Fokus des Managements zu stehen. Im Bereich Innovationsmanagement bekamen wir auf die Frage der aktuellen Managementrelevanz von der Mehrheit der IT-Dienstleister ähnliche Antworten. Ein CIO meinte, Innovationsmanagement sei nicht auf dem Radarschirm. Die Befragten eines anderen IT-Dienstleisters teilten uns mit, dass es keinen besonderen Fokus auf das Thema Innovation gebe. Nur bei zwei untersuchten IT-Dienstleistern wird offensichtlich ein stärkeres Gewicht auf den Innovationsbereich gelegt.
Dieser geringe Fokus auf Innovationsmanagement zeigt sich auch bei folgenden Aussagen der Studie:
- Es gibt oft keinen Innovationsverantwortlichen, der sämtliche Innovationstätigkeiten koordiniert, beim IT-Dienstleister
- Es gibt selten Aktivitäten, um eine innovationsfreundliche Unternehmenskultur zu schaffen
- Innovationsprozesse sind kaum vorhanden
- In vielen Fällen haben konzerngebundene IT-Dienstleister kein Innovationsbudget
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus unserem Buch „Die Zukunft der IT in Unternehmen“, das ab Oktober 2009 im Buchhandel erhältlich ist. Weiterführende Informationen sind hier zu finden: Buchinformationen

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