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Gründe für die Internationalisierung konzerninterner IT-Dienstleister

6 October 2009 2,874 views No Comment

Internationalisierung kann verstanden werden als Beginn oder Weiterführung von grenzüberschreitenden Aktivitäten. Diese betreffen Beschaffung, Produktion und Absatz. Konzerngebundene IT-Dienstleister müssen entscheiden, in welchen Ländern und Regionen Aktivitäten ausgeführt werden sollen und wo nicht. Die optimale Ausrichtung auf die Ziele des Mutterkonzerns hat oberste Priorität.

Absatzgründe

Eine Hauptforderung der Kunden ist weltweite Lieferung und Support von IT-Services. „Global Support“ wird zu einem wichtigen Treiber der Internationalisierung. Bei der INTERDIG-Studie, welche die Internationalisierung von IT-Dienstleistern in Deutschland untersuchte, gaben 84% der befragten IT-Dienstleister an, dass der Kundenwunsch nach internationaler Unterstützung ein sehr wichtiger Beweggrund für Auslandsaktivitäten der IT-Dienstleister ist. Die Bedienung von Kundenwünschen ist das bedeutsamste Motiv, wichtiger als die Ausnutzung von Kostenvorteilen. Dieser Aspekt ist bei den von uns analysierten konzerngebundenen IT-Dienstleistern besonders relevant, da sie alle zu weltweit agierenden Konzernen gehören. Denn die Konzernkunden verlangen nicht nur die Belieferung ihrer Heimatstandorte, sondern auch die der ausländischen Tochtergesellschaften. Aufgrund der besonderen Stellung müssen konzerngebundene IT-Dienstleister den Kunden in allen Ländern, in denen sie aktiv sind, IT-Services und IT-Unterstützung liefern, wenn der Kunde das fordert. Oft verlangen die Kunden, dass selbst kleine Auslandsstandorte des Konzerns mit IT-Services versorgt werden, obwohl sich der Aufbau einer lokalen Einheit des IT-Dienstleisters für sich genommen nicht lohnt. Können Tochtergesellschaften des Konzerns in bestimmten Ländern und Regionen nicht beliefert werden, droht der Verlust der Existenzberechtigung des konzerngebundenen IT-Dienstleisters. Der Konzern könnte auf externe IT-Dienstleister wie IBM oder Hewlett-Packard zurückgreifen.

Vorteile bei der Internationalisierung für konzerngebundene IT-Dienstleister ergeben sich durch bereits existierende Tochtergesellschaften des Mutterkonzerns in den verschiedenen Ländern. Konzerngebundene IT-Dienstleister können von bestehenden Strukturen und Wissen in diesen Ländern profitieren. Eine Weltweite Belieferung bedeutet dabei nicht, dass der IT-Dienstleister auch in allen Ländern produziert.

Beschaffungsgründe

Internationalisierung konzerngebundener IT-Dienstleister bedeutet nicht nur, den Kunden an allen Standorten zu beliefern. Der internationale Einkauf von IT-Services und Komponenten ist ebenso wichtig. Das bei vielen IT-Dienstleistern wichtigste Ziel globaler Beschaffung ist der kostengünstige Bezug von IT-Services aus dem Ausland. Knapp 60% der befragten IT-Dienstleister schätzen dieses Motiv als hoch ein, so die Ergebnisse der INTERDIG-Studie. Andere Motive sind der Zugang zu Ressourcen, wie qualifiziertem Personal oder speziellem Wissen. Leichtere Kapazitätsanpassung ist ein weiterer Grund.

Strategische Gründe

  • Strategic Alignment: Aus den genannten Punkten des Absatz-Bereichs ergeben sich strategische Gründe für konzerngebundene IT-Dienstleister, sich international aufzustellen. Vom IT-Dienstleister wird verlangt, sich an Organisation und Strategie des Mutterkonzerns anzupassen. So erfordert ein globaler Konzern globale IT-Unterstützung. Der konzerngebundene IT-Dienstleister sollte ebenso global beschaffen wie der Mutterkonzern und die benötigten IT-Services global liefern. Gründe sind unter anderem die international verteilte Organisationsstruktur des Mutterkonzerns, niedrigere Kosten für die IT-Unterstützung, weltweiter Wettbewerb oder die Erfordernis nach global einheitlicher Steuerung des Gesamtkonzerns. So kann die Strategie des Gesamtkonzerns die Internationalisierung des konzerngebundenen IT-Dienstleisters zwingend erfordern.
  • Globale Effizienz: Durch die globale Ausnutzung von Skaleneffekten kann der konzerngebundene IT-Dienstleister seine Kosten senken und auf wettbewerbsfähigem Niveau halten. In einer globalen Organisation können IT-Services weltweit standardisiert, konsolidiert und an einem Standort für den Gesamtkonzern zentral erbracht werden. Diese IT-Services werden via Internet zu den Endanwendern in den verschiedenen Standorten gebracht. So können Asiatische Konzernmitarbeiter Daten in ein SAP-System eingeben, die Verarbeitung dieser Transaktionen kann im Rechenzentrum in Europa erfolgen. Durch diese internationale Konzentration wird eher die kritische Größe für eine effiziente Produktion der IT-Services erreicht. Weitere Kosteneinsparungen ergeben sich durch die Beseitigung von Redundanzen, da Aufgaben konzernweit konsolidiert werden. Durch die optimale Standortwahl für die Produktion unterschiedlicher IT-Services können Kostenunterschiede zwischen Standorten ausgenutzt werden. Das führt zu wettbewerbsfähigen Kosten des IT-Dienstleisters. Besonders das Thema der globalen Effizienz ist vom konzerngebundenen IT-Dienstleister aktiv anzugehen. Andernfalls wird der Konzern, falls die IT-Kosten nicht wettbewerbsfähig sind, mittelfristig Outsourcing-Entscheidungen zu Lasten des konzerngebundenen IT-Dienstleisters treffen.
  • Flexibilität rund um die Uhr: Das Thema unterschiedlicher Zeitzonen bringt für den IT-Dienstleister Chancen und Herausforderungen mit sich. So müssen Hotlines für Kunden- und Anwendersupport bis zu 24 Stunden am Tag besetzt sein. Durch die weltweit unterschiedlichen Feiertage ist die Koordination, wann welche Informationen in welches Land verschickt werden können, ziemlich aufwändig. Vorteile ergeben sich beispielsweise, indem bei internationalen Projekten die Zeitverschiebung ausgenutzt wird, indem an einer Themenstellung rund um die Uhr gearbeitet wird. Forschungsintensive Branchen setzen dazu internationale Forschungsteams ein, die auf Asien, Europa und die USA verteilt sind. Verfügt ein konzerngebundener IT-Dienstleister über mehrere weltweit verteilte Rechenzentren, müssen nicht alle Rechenzentren rund um die Uhr besetzt sein, um im Problemfall zu reagieren. Nachtschichten sind nicht notwendig. Tritt in der Nacht eine Störung in einem unbesetzten Rechenzentrum auf, kann durch Fernsteuerung von einem weit entfernten Standort aus das Problem behoben werden.
  • Globaler Wettbewerb: Viele Konzerne versuchen, für einen IT-Service einen globalen Lieferanten zu haben. Dies ist ein Grund des Erfolgs global tätiger externer IT-Dienstleister. Um mit externen IT-Dienstleistern wie IBM oder Hewlett-Packard Schritt zu halten, ist die Internationalisierung konzerngebundener IT-Dienstleister notwendig. Es kann sich sogar ein strategischer Wettbewerbsvorteil des konzerngebundenen IT-Dienstleisters gegenüber externen IT-Dienstleistern ergeben. Die konzerngebundenen IT-Dienstleister müssen oft sämtliche Konzernstandorte beliefern und sind in die Auslandsgesellschaften des Konzerns eingebettet. Externe IT-Dienstleister sind dagegen nicht verpflichtet, sämtliche Regionen internationaler Konzerne zu beliefern. Sie werden diese Kunden nur beliefern, wenn sich diese Belieferung finanziell lohnt oder strategische Gründe dafür sprechen.

Weiterführende Literatur

Schulman, D. S., Dunleavy, J. R., Harmer, M. J. and Lusk, J. S. Shared Services. Adding Value To The Business Unit. Wiley & Sons, New York, 1999.

Berlecon Research. Global Sourcing, Supply & Support in der Praxis. Fallstudienreport zur Internationalisierung von IT-Dienstleistern in Deutschland. Berlin, 2007.

Iijima, T. Why global companies need global back-office services. Journal of Corporate Accounting & Finance, 18, 6 2007).

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus unserem Buch „Die Zukunft der IT in Unternehmen“, das ab Dezember 2009 im Buchhandel erhältlich ist. Weiterführende Informationen sind hier zu finden: Buchinformationen

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