Konzerninterne IT-Dienstleister vs. Outsourcing
Es gibt eine Vielzahl von Motiven, welche zur Gründung konzerninterner IT-Dienstleister geführt haben. In einer Untersuchung von PA Consulting Group gaben 30 Prozent der Befragten an, dass eine Prozessstandardisierung der Hauptgrund sei, gefolgt von der Nutzung von Skaleneffekten. Weitere genannte Gründe sind bessere IT-Servicequalität und der Fokus auf das Kerngeschäft.
Die Motive für die Etablierung konzerninterner IT-Dienstleister ähneln jenen, die beim Outsourcing genannt werden, aber es gibt diverse Punkte, die für konzerninterne IT-Dienstleister sprechen und gegen das Outsourcing:
- Als erstes Motiv sind die Kosten zu nennen. Vielfach wird davon ausgegangen, dass externe IT-Dienstleister per se günstiger sind. Viele IT-Verantwortliche sind mit den Kosteneinsparungen durch Outsourcing Geschäfte unzufrieden. So stellen externe IT-Dienstleister viele Kosten in Rechnung, die vom Outsourcing-Nehmer als schon im Preis inbegriffen angesehen wurden. Zudem schlagen externe IT-Dienstleister eine üppige Gewinnmarge, teils über 35 Prozent, auf die internen Kosten auf. Die Marge ist bei konzerninternen IT-Dienstleistern dagegen beschränkt.
- Der Eingriff in Unternehmenskultur und Prozessabläufe durch Outsourcing darf nicht unterschätzt werden. Während bei einem konzerninternen IT-Dienstleister die Mitarbeiter weiterhin im Konzern bleiben, prallen bei der Zusammenarbeit mit externen IT-Dienstleistern verschiedene Unternehmenskulturen und Prozessabläufe aufeinander. So hat beispielsweise jedes Unternehmen seine eigenen Leitbilder, Werte, Umgangsformen mit Mitarbeitern oder Kommunikationsstile. Diese Unterschiede in den Unternehmenskulturen können zu schwerwiegenden Problemen beim Outsourcing führen, wie Erfahrungen vieler Informatikchefs zeigen. Durch Missverständnisse und Unsicherheit sinkt die Arbeitsproduktivität, das Unternehmen verliert gute Mitarbeiter und damit wichtiges Wissen. Teils dauert es Jahre, bis die IT-Organisation wieder reibungslos funktioniert.
- Viele Konzerne schätzen das Risiko in puncto Datensicherheit als zu hoch ein und verzichten deswegen auf Outsourcing. Die Angst, dass sensible und wettbewerbskritische Informationen in falsche Hände geraten könnten, ist präsent. Es wird die konzerninterne Lösung bevorzugt.
- Häufig wird die Besorgnis geäußert, man könnte in ein zu starkes Abhängigkeitsverhältnis zu einem externen IT-Dienstleister geraten, besonders bei IT-Services, die keine Commodity darstellen. Denn die Einflussmöglichkeiten auf externe IT-Dienstleister sind gering. Im Gegensatz dazu kann der Konzern auf den konzerninternen IT-Dienstleister einwirken und ist nicht den reinen Mechanismen des Marktes ausgeliefert.
- Durch Outsourcing geht konzerninternes Wissen über Informationstechnologie und Prozesse verloren. Dadurch wird die Steuerung des externen IT-Dienstleisters erschwert, Abhängigkeiten erhöht sowie ein späteres Insourcing verkompliziert.
- Die fehlende Kenntnis der Konzernprozesse ist ein weiterer Nachteil des Outsourcings. Im Gegensatz zu konzerninternen IT-Dienstleistern haben externe IT-Dienstleister oft nur beschränktes Branchenwissen und verfügen über keine Kenntnis der konzerninternen Prozesse. Auf die spezifischen Rahmenbedingungen, denen eine Branche beziehungsweise ein Konzern ausgesetzt ist, kann beim Outsourcing nur teilweise eingegangen werden. Durch die Nutzung von Informationstechnologie können unternehmerische Chancen für den Konzern entstehen. Konzerninterne IT-Dienstleister können als Business-Enabler agieren und sind durch die enge Bindung an den Konzern gut geeignet, das Mutterunternehmen bei der Wahrnehmung dieser Chancen zu unterstützen.
- Der konzerninterne IT-Dienstleister ist verpflichtet, den Konzern mit allen benötigten IT-Services zu unterstützen, es besteht Lieferpflicht. Externe IT-Dienstleister können die Belieferung bestimmter Standorte oder Regionen des Konzerns ablehnen.
Weiterführende Literatur
Dressler, S.: Shared Services, Business Process Outsourcing und Offshoring, Wiesbaden, 2007.
PA Consulting: Benchmarking shared service centres survey (2002).
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus unserem Buch „Die Zukunft der IT in Unternehmen“, das ab Dezember 2009 im Buchhandel erhältlich ist. Weiterführende Informationen sind hier zu finden: Buchinformationen

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